Freitag, 27. März 2015

Das muss auch mal gesagt werden

Es fällt mir schwer - etwas zu schreiben - jetzt - in diesen Tagen.

Die Ereignisse der letzten Tage haben mich total gestriegelt. Alles erscheint so unwirklich. Ich komme aus dem Dauerheulen nicht raus - und doch habe ich eigentlich gar nichts damit zu tun. Bin weder Betroffene, noch Angehörige, bin nur auch aus NRW und das ist plötzlich alles so nah... und nicht so weit weg, wie manch anderes Unglück, was schon hinter uns liegt. Und gerade bei diesen Worten beschleicht mich ein unsagbar schlechtes Gewissen, dass ich tatsächlich so denken kann, dass das ein oder andere Unglück doch so weit weg ist, uns zwar betroffen macht, uns aber nicht betrifft!

Irgendwann vor einigen Jahren, versuchte ich meine ersten unerfahrenen Gehversuche mit einem Blog. Seinerzeit eher als Pflicht, wegen meines Onlineshops, den ich damals noch hatte. So viele Dinge hatte ich da im Kopf und ich war mir nicht klar, wie ich alles in Worte fassen sollte. Heute weiß ich woran es lag... Damals sagte mir mein zuständiger Computerfritze, ich sollte nichts Negatives in den Block schreiben; das wollen die Leute nicht lesen! Dadurch stand ich mir selbst im Weg. Denn damals gab es so viel, über das ich mir Gedanken machte, das angeblich Niemand hören oder lesen wollte... ich durfte einfach nicht authentisch sein und das ging gaaarnicht! Also verwaiste dieser Block...

Ich weiß nicht, ob es jemanden interessiert, oder ob viele nicht schon satt sind von all diesen schlimmen Nachrichten der letzen Tage, und dennoch glaube ich, dass ich es aufschreiben muss, meine Gedanken mitteilen muss... wer´s nicht lesen mag, der klickt einfach weg und steigt jetzt aus, okay?

Ich bin an einigen Projekten dran und es fällt mir durch den Flugzeugabsturz wahnsinnig schwer, mich aufzuraffen hieran weiter zu arbeiten. Selbstverständlich werden alle Aufträge fristgerecht fertiggestellt, aber ihr wisst ja, wie es ist; man hat so viele neue Ideen im Kopf und plötzlich fühlt sich alles so sinnlos an...

Ich fühle mich noch immer so gelähmt, habe ich doch auch Kinder! Meine älteste Tochter wird in der Schule auch bald Spanisch wählen und wird auch an solch einem Schüleraustausch teilnehmen - so die derzeitige Planung... Da willst du deinem Kind was Gutes tun, was prägende Spuren hinterlässt und es für sein weiteres Leben reifen lässt und um eine Erfahrung reicher macht und ZACK! wird es plötzlich kein Morgen mehr im Leben deines Kindes, keine Zukunft mehr geben! Das alles legt sich wie ein schwerer Stein auf meine Brust! Wie mag es da nur den Angehörigen das Herz zerreißen?

Und plötzlich kommen wieder Ereignisse hoch, die einem selbst das Herz zerrissen haben... mein Mann zum Beispiel, hatte gerade sein Abitur in der Tasche, als sein älterer Bruder auf der Fahrt zum Studienort von einem LKW erfasst wurde und noch am Unfallort starb! Ich bewundere meine Schwiegermutter, wie sie mit diesem schweren Schlag gelernt hat zu leben!

Mein Papa starb an Lungenkrebs, als ich mit unserer zweiten Tochter hochschwanger war. Es hat mir das Herz gebrochen, ihn zu verlieren und es schmerzt bis heute noch wie am ersten Tag. Drei Wochen später kam unsere zweite Tochter auf die Welt und im Nachhinein dankte ich meinem Papa, dass er noch vor der Geburt unserer jüngsten Tochter gegangen ist. Dennoch lebte ich immer mit dem Gefühl, zwischen zwei Stühlen zu sitzen. Der Schmerz über den Verlust war groß, aber ebenso groß war das Glück ein gesundes Kind in die Arme nehmen zu dürfen.

Zwei Monate später lief unser Fernseher Dauerschleife: Der Tsunami! Meine Schwester war genau zu diesem Zeitpunkt auf den Malediven in Urlaub. Und wieder zerriss es mich, weil ich nicht glauben konnte, meinen Papa und kurz darauf auch noch meine Schwester zu verlieren! Vier Tage nach diesem Unglück und zahlreichen Anrufen beim Auswärtigen Amt, klingelte mein Handy und ich hatte meine Schwester am Telefon! Zuerst habe ich gedacht, es erlaubt sich da jemand einen bösen Scherz mit mir. Aber sie war es wirklich! Sie und ihr Mann hatten überlebt - durch Zufall überlebt! Sie wollten einen Tauchgang machen, an dem Tag als der Tsunami kam - das wäre ihr Todesurteil gewesen. Meine Schwester aber meinte, das Wasser wäre den Tag zuvor so komisch kalt gewesen und sie hätte in der Nacht zuvor lange wach gelegen, weil es so merkwürdig still war. Sie hatte einen merkwürdigen Traum von unserem Papa - sie konnte es nicht erklären, sagte nur zu ihrem Mann, dass sie nicht Tauchen gehen mag und so haben beide den Tauchgang abgesagt - das war ihre Rettung!

Vielleicht ist es das, warum solche Schicksale - wie dieses Flugzeugunglück - einem so nah gehen. Man ist in ähnlichen Situationen, oder kann in eben solche Situationen kommen, man kann es nachfühlen, den Schmerz, das eigene Kind oder in jungen Jahren die eigenen Eltern zu verlieren, aber wahrscheinlich nur erahnen.

Es macht mich ohnmächtig, dass im Netz nun Hetzkampagnen laufen und sich Menschen einen Wolf diskutieren! Lasst den Menschen doch einfach mal ihre Trauer und versucht zu helfen! Zeigt doch einfach mal Mitgefühl, anstatt immer nur nach Schuldigen zu suchen!

Ich glaube es gibt solche, die alles schlecht reden im Moment, und diese, die vor Allem die Augen verschließen... Ich habe am Tag des Unglücks nur ein einziges Bild auf IG gepostet, wie so viele andere Menschen auch - und dies auf FB verlinkt. Es war ein Blumenflugzeug mit der Flugnummer. Ein Zeichen der Solidarität und des Mitgefühls. Verrückt, wie unterschiedlich die Menschen darauf reagieren. Die einen drückten auch ihre Worte der Bestürzung aus, die anderen verließen meinen IG- und FB-Account.

Ja, vielleicht hat der Computerfritze Recht. Die Menschen wollen nur heile Welt lesen und vorgelebt bekommen, alles nur Friede-Freude-Eierkuchen-Like, wie im Hochglanzmagazin, wie im wahren SCHEIN-Leben - viele Menschen wollen das, aber eben NICHT ALLE!

Ich für meinen Teil möchte nichts vorgaukeln! Diese blankgeputzten Scheinfassaden-Menschen gibt es zur Genüge! Im realen wie im virtuellen Leben! Auch ich schaue mir das alles gerne an und möchte hier vorsorglich klar stellen, dass ich hier Niemanden persönlich angreifen möchte! Ich bin froh, dass es diese wunderbar blank geputzten Seiten und Accounts gibt, denn es ist immer wieder ein wahrer Augenschmaus und eine Inspirationsflut! Aber man darf sich da eben nicht reinziehen lassen, so dass man anschließend sich selbst nicht mehr mag, mit seinem ganz normalen, chaotisch angehauchten Leben!

Aber wisst ihr, was ich aus den vergangenen Tagen auch mitgenommen habe? Niemand weiß, wann unser Leben mal zu Ende sein wird! Was wir aus unserem Leben machen, liegt allein in unserer eigenen Hand! Es liegt also so nah! Egal welche Schwierigkeiten uns auch begegnen, sind wir nicht als Stehaufmännchen geboren? Als Überlebenskünstler? Sollten wir dem Leben nicht jeden Tag positiv entgegen gehen? Für jeden neuen Tag dankbar sein? Ich glaube ganz fest daran, dass wir nur so - mit einer positiven Lebenseinstellung - die Gelassenheit erlangen, das Leben zu genießen und dann zu spüren, dass das Leben gut ist, dass wir glücklich sind. Und wenn es dann tatsächlich eines Tages zu Ende sein soll, sind wir vielleicht und hoffentlich alle in der glücklichen Position, rückblickend sagen zu können "mein Leben war schön".

Für alle die es bis hier her geschafft haben, ein herzliches Dankeschön ♥
Habt einen schönen Tag und lächelt das Leben an, es lächelt garantiert zurück; ob mit oder ohne Sonnenschein ;)

Liebste Grüße
Katarina

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